Die Medienpädagogik ist tot. Lang lebe das #Pflichtfachinformatik!

Kompetenzen entwickeln, Beteiligung, kritische Reflexion, demokratische Mitwirkung und Selbstbestimmung fördern, Fakenews erkennen – all das sind gute Ziele, denen sich medienpädagogisch Aktive verschrieben haben und welche politisch breite Unterstützung finden. Aber findet eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Phänomenen und Strukturmerkmalen, den Umbrüchen, den Plattformen und ihren Treibern, den veränderten Bedingungen für Inhalte, dem vermeintlichen Kontrollverlust, dem Skalierungsgedanken, den Teilhabe- und Gleichberechtigungsperspektiven statt?
tl;dr: Gutjahrs tragische Erfahrung der Verunglimpfung und Bedrohung seiner Familie (TEDx Talk) zeigt nur zu gut all die blinden Flecken einer kaum mehr relevanten Disziplin Medienpädagogik auf, welche veränderte Rahmenbedingungen nicht wahrnehmen will oder kann.
Die Antwort: Aus meiner Sicht leider überhaupt nicht. Die Theoretiker*innen und Akteure der Medienpädagogik leben selbst noch ein größtenteils kontrolliertes Leben als akademisch Gebildete und Privilegierte, obwohl die Welt um sie herum den Kontrollverlust bereits erlebt oder zumindest am Horizont spürt. So können sich die Etablierten der Medienpädagogik Anwälte und Therapien leisten, wenn das mit der eigenen Onlinepräsenz irgendwann doch mal schief geht. Für sie ist ein „Besorg dir einen Anwalt und schlag zurück“ ein realistischer Vorschlag – während die wenig Privilegierten alles menschenmögliche dafür geben, nicht in das Schreckensszenario Rechtsstreit verwickelt zu sein. Denn Jura ist nach wie vor vorrangig ein Spielfeld der Reichen und nicht die übliche Selbstverteidigung der jugendlichen Youtuberin mit 200 Follower*innen, welche verunglimpft oder mit ihrem Leben bedroht wird.
„Besorg dir einen Anwalt und schlag zurück“ sowie die frühzeitige Suche nach Therapieangeboten ist genau die Lektion, welche der internetaffine Journalist Richard Gutjahr im Kontext der Angriffe auf ihn und seine Familie durch Verschwörungstheoretiker nun nach einiger Zeit in einem TEDx-Talk vorschlägt. Er beschreibt die persönliche Krise und den Versuch des stillen Aushaltens, während er zuvor omnipräsent auf allen Social-Media-Kanälen sowie im Fernsehen vertreten war. Nun muss er zusehen, wie seine Tochter auf YouTube bedroht wird und seine Frau als Mossad-Agentin beschimpft wird:

Gutjahr legt hierbei den Finger in die klaffende Wunde der Medienpädagogik:

„First be alert. Anyone – i mean it anyone – of you can become a target of conspiracy theory at any time over anything. Yeah it’s it’s not just politicians it’s not just actors or journalists. We all are celebrities online and we’re all facing the same threats“
[…]
„It’s not your fault like there are times when you’re like really miserable really
depressed and you ask yourself what did I do wrong but here’s the thing: It’s nothing that you have done wrong, it’s not about you, it’s about them“

Für mich ist der Punkt erreicht, in dem wir – zumindest Stand jetzt – einen großen Teil der Kontrolle verloren haben (was nicht per se schlecht oder negativ sein muss, es erfordert womöglich aber andere Strategien oder Einmischung auf vielfältigen Ebenen). 2016 habe ich dies versucht im Text „Data Breathrough“ zu skizzieren anhand von kaum zu kalkulierenden Konsequenzen bei Datenauswertungen, Gutjahr beschreibt dies nun prägnanter und eindrucksvoller am Beispiel der persönlichen Diffamierung einer Familie, seiner Familie. Für mich ergibt sich die Frage: Wie können wir (digitale) Teilhabe fordern und fördern, wenn selbst professionelle Akteure wie Richard Gutjahr den Bedingungen im Netz derzeit zu großen Teilen ausgeliefert sind, wenn es wirklich ernst wird? Was sind denn nun Strategievorschläge? Hoffen, dass schon nichts passiert und es andere trifft? Jugendliche, Studierende und andere wenig Privilegierte als „collateral damage“ von medienpädagogischen Aktivitäten – so wie Gutjahrs Familie collateral damage der aufstrebenden Plattformen wurde? Wer ist wirklich da, wenn „shit hits the fan“ wie Gutjahr es beschreibt?
Von Gutjahrs Thesen der rechtlichen Handhabe gegen solche Phänomene oder Rechtsschutzversicherungen, von der Zusammenarbeit mit der Polizei – von all dem habe ich bis jetzt nur sehr, sehr, sehr wenig in den medienpädagogischen Diskussionen um Medienkompetenz und (Jugend-)Beteiligung vernommen.

„Wie wirkt das?“ – ernsthaft?

Insofern ärgert es mich enorm, dass die Frage „Wie wirkt das?“ in der Dagstuhldreieck-Grafik kommentarlos auftaucht. In meinen Augen verleitet diese triviale Darstellung zu der Annahme, dass die Frage nach Wirkungen ebenso einfach wie die Fragen „Wie funktioniert das?“ und “Wie nutze ich das?“ zu beantworten sind:

Ist ernsthaft niemandem aufgefallen, dass schon „Wie könnte das wirken?“ eine bessere Frage für die gesellschaftlich-kulturelle Perspektive gewesen wäre, weil sie eben auch Raum für den Verlust von Kontrolle, für Unbestimmtheit – für eigentlich alles, was in der medienpädagogischen Theorie so hochtrabend besprochen wird, lässt? Wäre diese Frage nicht das Einzige gewesen, was die Informatikdisziplin aus sich heraus nicht in vollem Umfang leisten kann und weshalb sie auf medienpädagogische Perspektiven angewiesen ist? Weil die soziale Welt nun mal nicht mit 1 und 0, mit klarer Ursache-Wirkung funktioniert?
Weil es scheinbar keinem aufgefallen ist und mir erst viel zu spät:
Die Medienpädagogik ist tot. Lang lebe die Pflichtinformatik. das #Pflichtfachinformatik.
Oder mit den Worten von Faber:

Du sollst dir nicht gehören und dich gelegentlich zerstören.

Disclaimer: Es handelt sich um einen subjektiven Rant. Das Dagstuhl-Dreieck als genereller Ansatz und Brücke zwischen Disziplinen sowie die Arbeit aller medienpädagogischen Akteure erachte ich als enorm wichtig für die Gesellschaft, wenngleich sich für mich die Frage stellt ob die Profession(?) trennscharf aufrecht erhalten werden kann. Einen richtungsweisenden Impuls vernahm ich im letzten Jahr von Danah Boyd - Did media literacy fire back?. Es gibt natürlich nicht „die“ Medienpädagogik. Ansonsten komme ich derzeit wenig zum Lesen, war nicht auf der GMK und überhaupt -  Annahmen gerne in den Kommentaren widerlegen bzw. zerstören!

Update: Ich hatte den falschen Hashtag verwendet, #Pflichtfachinformatik ist wohl verbreiteter.
Update: Richard Gutjahr hat in einem Blogartikel noch mal ausführlicher seine Erfahrungen beschrieben und empfiehlt eine Rechtsschutzversicherung.

Diskussionen/Reaktionen zum Text:

  • Kommentar auf Facebook von Thomas Walden:
    „Ich teile Deine Analyse von A – Z. Den Versuch einer „Selbstverteidigung“ gegenüber diesen Umständen hatte Zygmunt Bauman in „Flüchtige Moderne“ mit beinahe prophetischem Blick angekündigt und später in Daten, Drohnen, Disziplin auf die digitale Welt übertragen. Ich halte seine Ideen für einen Umgang mit dem Kontrollverlust für die ein einigermaßen tragfähiges Konstrukt, wenngleich kaum absehbar ist, wie weit es trägt. Übrigens hat Rian Johnson dazu auch gerade ein Statement im Kino abgeliefert. Das kann alles nur heuristisch sein, aber viel mehr Perspektive als eine kurzfristige lässt sich m.E. derzeit nicht entwickeln.“
  • Kritische Erwiderung von Niels als Kommentar (siehe unten)
  • Ausführlicher Kommentar von Dan Verständig (siehe unten)
  • Tweet von Dan Verständig als Antwort auf @Walzenjet:

Diskussion um den Hashtag #Pflichtfachinformatik und Filterblasen:

Diskussion um Learnings und den Kontext Medienkompetenz-Modelle:

Rüdiger Fries verwies auf ein aktuelles GMK-Thesenpapier (unter CC-BY), welches hier kommentiert werden kann: Futurelab Medienpädagogik: Thesenpapier zum Forum 2017

Danke für die bisherigen Rückmeldungen und das Weiterdenken, ich schätze das sehr!

CC0 LogoDieser Rant (Text) ist freigeben unter CC0/Public-Domain. Der Urheber kann bei einer Weiterverwendung gerne optional genannt werden: Matthias Andrasch. Urheberrechtliche Angaben zu Grafiken, Videos oder anderen verwendeten Inhalten finden sich meist direkt bei den jeweiligen Inhalten. Titelbild des Beitrags: Alexas Fotos (CC0/Pixabay).

4 Kommentare

Hallo Matthias,
ja es ist ein rant. Und ja, der soll ja provozieren. Aber offen gesagt verstehe ich nicht, worauf du hier abzielst.
Wer sind denn diese die „Etablierten der Medienpädagogik“, die sich „Anwälte und Therapien leisten“ können und die Lebenswelten der Jugendlichen nicht mehr verstehen? Nach meinem Eindruck dreht sich die medienpädagogische Fachdiskussion doch gerade um die angesprochenen Themen – und dabei gibt es auch eine Auseinandersetzung mit den rechtlichen Rahmenbedingungen. Aber ist dein Vorschlag für die pädagogische Arbeit am Ende Rechtskunde oder ein „How to find a lawyer“? Ich gehe davon aus, dass Medienpädagogik dich damit nicht zufrieden stellen würde. Vielleicht stehe ich aber auch auf dem Schlauch und verstehe deinen rant einfach nicht.
Dass in der aktuellen Diskussion um Digitalisierung Informatik sehr prominent ist, liegt nicht nur, aber tatsächlich auch an unserer Disziplin und wie wir auftreten. (Ich bin mir da nicht sicher, ob dein rant hier hilfreich ist.)
Dein Beispiel mit dem Dagstuhl-Dreieck erscheint mir aber gerade nicht zutreffend. Denn nicht zuletzt gab es im vergangenen Sommer eine Klausurtagung von KBoM, um die Diskussion über dieses Schema mit Vertreter_innen der Informatik und der Medienwissenschaft konstruktiv fortzuführen und verkürzten Interpretationen entgegenzuwirken. Zu diesem Workshop wurde offen eingeladen (first come, first serve) – du also auch. Einen Kurzbericht findest du hier: https://www.keine-bildung-ohne-medien.de/klausurtagunginformatikmedienbildung/
Dass sich so viele Aktive der Medienpädagogik für diese Klausur angemeldet haben, erscheint mir ein Beleg dafür, dass du nicht der erste bist, der Ideen für die Weiterentwicklung dieses Schemas hat. Vielmehr findest du dich in einer großen Gesellschaft aktiver und kritisch denkender Medienpädagog_innen – die zudem die Medienpädagogik lebendig halten.
Was wünscht du dir denn konkret von den „Etablierten der Medienpädagogik“? (Und von wem dann eigentlich?)
Viele Grüße
Niels

Danke für den ausführlichen Kommentar auf einen Rant!
Eine kurze Antwort mit einigen Aspekten, die ich vermisse (oder eben nicht auf meinem Radar habe) und die zu diesem Rant geführt haben:
– eine tiefergehende Auseinandersetzung mit Kontrollverlust-Perspektiven wie sie u.a. von Michael Seemann skizziert werden und welche auf Kopierbarkeit, etc. zurückgeführt werden können (statt jetzt nach BigData über Machine Learning / KI zu reden und danach weiter der nächsten technischen Entwicklung hinterherzurennen)
– die Entwicklung von Visionen oder Strategien einer zukünftigen Welt jenseits von „Sei datensparsam“ oder „sicherer Umgang mit Daten“
– das Erkennen der gestiegenen Relevanz von rechtlichen Rahmenbedingungen in DE – sei es für den einzelnen Jugendlichen, freiberufliche Kreative oder eben in Bezug auf Plattformen („Etablierte“ sind meist institutionell verankert und haften eben nicht privat). Das geht von Urheberrecht über Strafrecht bis NetzDG.
– der konstruktiv-kritische Dialog mit Plattformbetreibern oder Anbietern von Diensten/Startups im Bildungsbereich (nicht nur über diese Dienste, sondern im besten Fall sogar mitgestaltend)
Die konkrete Ausgestaltung habe ich nicht vorrätig – aber ja, ein verstärkter Dialog mit Juristen würde meiner Ansicht nach z.B. schon sehr helfen, um sich danach auch gezielt diesbezüglich einmischen zu können gesellschaftlich/politisch und ein Problembewusstsein hierfür zu erlangen.
Zu der Einladung: Berechtigter Punkt, hatte ich per Newsletter im Postfach und nicht gelesen (gerade nochmal nachgeschaut – ein Monat Vorlaufzeit ist aber auch etwas knapp). Sehe ich es richtig, dass vom offiziellen KboM-Account nicht während der Arbeitstagung getwittert wurde und auch sonst da bisher nur ein Blogbeitrag herauskam? Da würde ich mir tatsächlich von den „Etablierten“ mehr erwarten, wenn sie öffentlichkeitswirksam in Erscheinung treten, relevant sein und Teilhabe ermöglichen wollen in einer vernetzten Welt? Ist das die Öffentlichkeitsarbeit der Vorzeige-Initiative von Medienpädagog*innen?
Ich zweifele an der Schlagkräftigkeit und zukünftigen Zusprechung von Relevanz – vielleicht sehe ich aber auch nicht, was hinter den Kulissen an Vernetzung und Relevanzzuschreibung stattfindet. Meine subjektive Einschätzung ist, dass da nach und nach der Rang von anderen Akteuren abgelaufen wird, wenn keine echten/streitbaren Impulse und aktualisierte Konzepte mehr von außen wahrgenommen werden – und das Pflichtinformatik-Fach sich dann Medienkompetenz einfach zu eigen macht. „Medienbildung“ ist ja schon ebenso aufgeweicht im öffentlichen Diskurs meiner Wahrnehmung nach. Ich frage mich, wo da die Expertise und die Differenzlinie ist, die medienpädagogische Akteure ziehen und beackern?
So long erstmal. Wieder eher ein Rant geworden. 😉

Ein Problem der Medienpädagogik ist die in allen Konzepten implementierte strenge Subjektorientierung, als würden wir noch zu Zeiten Kants leben. Schon da war sie Unsinn, aber sie hatte sich in der weltlich-geistig-kulturellen Welt etabliert. Philosophien, Utopien, Theorien waren voll von Subjekten, die ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit entfliehen sollten. Ist ja auch nicht falsch, aber greift eben zu kurz. Latour & Co. sind da auf einem m.E. ertragreichen Weg. Merkwürdig ist nur, dass die ANT sich erst im Kontext Digitalisierung wirklich zu etablieren beginnt.
Aber ich befürchte auch, dass in der akademischen Welt der Narzissmus zu ausgeprägt ist, als das man sich eingestehen wollte, dass das Subjekt nicht das Zentrum der Welt ist, auch das höchste akademische nicht.

Vielen Dank für den Rant! Wie fühlst Du dich? 🙂
Ich habe den Beitrag schon vor einiger Zeit gelesen und bin durch die Kommentare jetzt doch nochmal darüber gestolpert. Ich teile Deine Ansicht, was den aktuellen Stand der Medienpädagogik angeht und stimme auch Deiner Beobachtung zu, dass die wesentlichen Entscheidungen zur Gestaltung von Akteuren aus anderen Fachdisziplinen getroffen werden. Das ist besonders dann problematisch, wenn man – wie hier im Rant gezeigt – um die Notwendigkeit medienpädagogischer Handlungen aufmerksam macht. Besonders interessant ist dabei imho auch die Entwicklung um das Weizenbaum Institut, bei der beispielsweise medienpädagogische oder erziehungs- und bildungswissenschaftliche Positionen komplett ausgeklammert sind.
Allerdings stimme ich mit der Formulierung einer „medienpädagogischen Theorie“ nicht überein, denn das ist in meinen Augen aktuell ein Phantom, warum das so ist, will ich kurz beschreiben. Ich sehe darin grundlegend drei Probleme, die zueinander im Verhältnis stehen und sich wohl nur analytisch trennen lassen:
1) Bis auf ganz wenige Positionen im Diskurs wird vielerorts der Versuch unternommen, den Ist-Zustand zu beschreiben und darauf in Form von Soll-Zustandsprognosen zu reagieren. Nur ohne jeglichen Hebel. Das grundlegende Problem ist allerdings, dass dabei von Prozessen ausgegangen wird, die oftmals komplett an der Lebenswelt der Zielgruppen vorbei gehen. Stichwort Digitalisierung und Digitalität oder soziale Aushandlungen in unterschiedlichen Kontexten, so bleiben die jeweiligen Praktiken absolut unberührt und die „Etablierten“ der Medienpädagogik drehen sich losgelöst vom Problemszenario um die eigene Achse (Ich denke dabei gerade an die Eröffnungsszene von Kubricks 2001).
2) Ein weiteres Problem ist, dass die radikale Entkopplung von Ökonomie zu Politik in der medienpädagogischen Debatte ebenso – bis auf wenige Ausnahmen (Vertreter*innen einer kritischen Position) – weitestgehend ausgeblendet ist. Würde man diese Perspektive ernst nehmen, käme die Notwendigkeit zu einer paradigmatischen Neustrukturierung von Medienpädagogik viel deutlicher hervor. Die steht aber im Gegensatz zur gegenwärtigen Selbstbeschreibung.
3) Sehe ich die Grundproblematik der sozialen Ausdifferenzierung hier als ein Kernproblem, welches sich imho wirklich gut mit mspr0s Kontrollverlust beschreiben lässt und eben keine triviale Antwortmöglichkeit zur Rückerlangung von Kontrolle oder Autonomie zulässt. Damit wird ein grundlegendes Problem von Bildung angesprochen, welches sich eben nicht nur im Verhältnis Mensch-Medium beschreiben lässt und schon gar nicht dann, wenn man es medienspezifisch an inhaltlichen Ausprägungen festmacht. Diese verändern und transformieren sich im Digitalen nämlich nochmal wesentlich radikaler. Leider wird diese Relation im aktuellen Diskurs der Medienpädagogik weitestgehend ausgeblendet. Damit ist gleichermaßen das Problem der digitalen Mündigkeit angesprochen, die Antwort kann eben nicht Datensparsamkeit oder Selbstzensur heißen, sondern muss insofern auf anderen Ebenen beantwortet werden, die in abstrahierender Form über die Fragen der jeweiligen medialen Ausprägungen hinaus gehen. Die Problematik des Kontrollverlusts tangiert dieses Problem sprachlich sehr schön, da es durch die unterschiedlichen kulturellen Überlagerungen und Auflösungen oder zumindest Öffnung von bisherigen geschlossenen Systemen zu neuen Herausforderungen im Umgang mit ethischen aber auch moralischen Fragen und Einstellungen geht, wie das Beispiel um Richard Gutjahr ganz besonders deutlich zeigt.
Damit zeigt sich allerdings auch, dass die theoretische Auseinandersetzung mit den aktuellen Problemen auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen nicht in ihrer Komplexität reduziert werden kann. Sorry, for the bad news.
Aber genau darin sehe widerum das Potenzial der Medienpädagogik, die sich im Zuge der Positionierung gegenüber anderen Disziplinen hier durchaus hervortun kann und auch muss.