Bloggen mit Studierenden – WordPress, Google Sheets oder HackMD?

Per Mail erreichte mich folgende private Anfrage von einer Person, die Hochschullehre an einer Fachhochschule ausübt. Da ich für die Beantwortung kein Beratergehalt kassiere, mich aber immer freue, wenn ich sachdienliche Hinweise oder Impulse weitergeben kann, dokumentiere ich meine Antwort hier im Blog. Vielleicht können auch andere davon profitieren. Die Anfrage (anonymisiert):

Hallo Matthias,

(…)

könnte ich Dir als Software-Experte eine Frage im Kontext Mediendidaktik stellen?

Und zwar plane ich einen Themen-Blog mit Studierenden zu gestalten, die Anwendung auf ILIAS hat aber im letzten Jahr einigen Ärger gemacht und sagte uns nicht wirklich zu. Hättest Du – spontan – einen alternativen guten Tipp für einen Blog-Anbieter?

Meine Antwort berührt im Kern die Frage, ob es primär um den Prozess des Schreibens, des gegenseitigen digitalen Reviews sowie um den Akt des weböffentlichen Publizierens geht oder ob es das Ziel ist, dass Studierende an Standard-Blogsoftware herangeführt werden:

Hallo XXX,

spannend, das zu lesen! Diese Frage beschäftigt uns gerade auch in meinem neuen Projekt „Content-Marktplatz NRW“ am hbz NRW: Welche digitalen Dienste könnten für die Lehre neben dem LMS bereitgestellt werden? Eine Möglichkeit wäre z.B. das Konzept „Domain of ones own“.

Ich kann nur kurze Tipps geben, die allesamt Vor- und Nachteile haben (auch in Bezug auf das Thema Datenschutz, Einwilligung der Studis ist teilweise vermutlich erforderlich):

WordPress – Die Standardsoftware für professionelle Blogs

a) Dienstleister WordPress.com – https://de.wordpress.com/pricing/
Einfachster und schnellster Weg, die kostenfreie Variante enthält jedoch Werbeeinblendungen.

b) WordPress (Open Source Software) selbst installieren auf einem eigenen Webspace
– mehr Kontrolle, Vielfalt durch Plugins, aber Administrationsaufwand (und ggf. eigene Haftung)

c) WordPress von der Hochschule bereitstellen lassen
An der Uni Köln nutzt Sandra Hofhues diese Möglichkeit, z.B. http://blog.hf.uni-koeln.de/oer/; Die FU Berlin hat ein ganzes Blogsystem für Studis und Mitarbeiter – https://blogs.fu-berlin.de/

Für Edu-Hacker*innen:

Experimenteller Weg, auf diesen hat mich Christian Friedrich (https://twitter.com/friedelitis) aufmerksam gemacht (erfordert etwas Programmierkenntnisse): Google Sheets Blogging CMS, part 1
https://www.johnastewart.org/tools/google-sheets-blogging-cms-part-1/

Meine derzeitige Empfehlung für einen niedrigschwelligen Einstieg ins Publizieren im Web – HackMD:

Ein anderer spannender Aspekt könnte auch das gemeinsame (digitale) Schreiben sowie gegenseitige Reviewen von Artikelentwürfen sein, hierfür eignen sich andere Tools besser – WordPress erlaubt nur, dass eine Person an einem Beitrag arbeitet. Tools für gleichzeitiges Bearbeiten:

– Klassiker: Google Drive Dokumente, Etherpad
– Neu: https://hackmd.io/

HackMD wird z.B. von den Edulabs eingesetzt:
a) Editor-Ansicht: https://hackmd.io/w6wovjmCSY-zELprOUG5cA?both
b) Veröffentlichung: https://hackmd.io/s/r1QHTM45Z
c) Kommentar-Tutorial: https://hackmd.io/c/tutorials/%2Fs%2Fhow-to-use-comments
d) Umfangreiches Tutorial des OpenLabs Hamburg: https://openlab.blogs.uni-hamburg.de/gemeinsam-an-texten-arbeiten/

Vielleicht ist HackMD somit schon völlig ausreichend für einen ersten Einstieg in das Veröffentlichen von Artikeln im Web (falls es primär um den Akt des Schreibes und Publizierens geht und nicht um den Einblick in eine professionelle Blogsoftware).

Es gibt auch die Möglichkeit, die Inhalte erstmal nicht-öffentlich zu erstellen (ein Vorteil gegenüber anderen Etherpad-Lösungen):
https://hackmd.io/s/features#Permissions

Titelbild: Screenshot hackMD-Webseite, nicht unter freier Lizenz

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